1 - 10 | Das Volk Israel am Sinai: Vorbereitungen für den Aufbruch |
11 - 25 | Die Wüstenreise und die Auflehnung des Volkes |
26 - 36 | Vorbereitungen für den Einzug der neuen Generation ins Land Kanaan |
Die meisten Ereignisse in 4. Mose spielen sich in der Wüste ab. Das Volk ist gezwungen, 40 Jahre lang wie Nomaden zu leben, obwohl es nur selten den Ort wechselt. In Kapitel 33 finden wir eine vollständige Auflistung der Reiseaktivitäten. In den 40 Jahren in der Wüste bauten die Israeliten ihre Lager etwa 40 Mal ab und wieder auf.
Der größte Teil des Buches ist den Ereignissen gewidmet, die zum Scheitern des ersten Versuchs führten, das verheißene Land einzunehmen. Auch der zweite Versuch der Landnahme, fast 40 Jahre später, wird ausführlich geschildert. Dazwischen werden die 39 verlorenen Jahre kaum erwähnt. Diese Knappheit der Berichterstattung unterstreicht nur die Tragik der Umstände.
Das Volk Israel am Sinai: Vorbereitungen für den Aufbruch (1-10)
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Zählung und Aufstellung der Stämme (1-2)
4Mo 1,2-3: „Ermittelt die Summe der ganzen Gemeinde der Kinder Israels, nach ihren Geschlechtern und ihren Vaterhäusern, unter Aufzählung der Namen; alles, was männlich ist, Kopf für Kopf, 3 von 20 Jahren an und darüber, alle kriegstauglichen Männer in Israel; und zählt sie nach ihren Heerscharen, du und Aaron.“
Zu Beginn des Buches befinden wir uns zeitlich ein Jahr und einen Monat nach dem Auszug der Kinder Israel aus Ägypten und einen Monat nach der Errichtung der Stiftshütte. Das Volk Israel sollte bald seine Reise vom Berg Sinai in das verheißene Land antreten. Deshalb war es wichtig, dass es in geordneten Heeresverbänden organisiert war, und zu diesem Zweck ordnete Gott die Volkszählung an.
Anzahl und Pflichten der Leviten (3-4)
In den Kapiteln 3 und 4 geht es um den Dienst der Leviten, die in der eingangs erwähnten Zählung nicht mit eingeschlossen waren. Der Stamm Levi war von Gott für den Dienst am Heiligtum ausgesondert worden. Ursprünglich hatte Gott bestimmt, dass die Erstgeborenen ihm gehören sollten, aber später erwählte er an ihrer Stelle den Stamm Levi für den göttlichen Dienst. Levi hatte drei Söhne: Gerschon, Kahat und Merari. Ihre Nachkommen sollten sich um die Stiftshütte und ihre Ausstattung kümmern.
Reinheit im Lager (5)
In diesem Abschnitt geht es um die Vorsichtsmaßnahmen, die die Israeliten ergreifen sollten, um das Lager frei von Verunreinigungen zu halten. Dies war von hoher Bedeutung, denn Gott wandelte inmitten des Lagers.
Das Gesetz für Nasiräer (6)
Das Wort „Nasiräer“ stammt von einer Wurzel, die „trennen, absondern“ bedeutet. Das Gelübde eines Nasiräers war ein freiwilliges Gelübde, das ein Mann oder eine Frau für eine bestimmte Zeit ablegen konnte. In seltenen Fällen waren Menschen lebenslang Nasiräer, z.B. Samuel, Simson und Johannes der Täufer.
Das Gelübde umfasste drei Bestimmungen:
- Ein Nasiräer durfte nicht von der Frucht des Weinstocks essen und trinken (6,2-4).
- Er durfte sein Haar nicht schneiden (6,5).
- Er durfte sich keinem Leichnam nähern (6,6-8).
Am Ende des Kapitels steht der priesterliche Segen, mit dem Aaron das Volk Israel segnen sollte.
4Mo 6,24-26: „Der HERR segne dich und behüte dich! 25 Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! 26 Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“
Beginn der Wüstenreise (11-12)
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Mit Kapitel 10, Vers 11 beginnt ein neuer Abschnitt des Buches.
4Mo 10,11: „Und es geschah am zwanzigsten Tag, im zweiten Monat des zweiten Jahres, da erhob sich die Wolke über der Wohnung des Zeugnisses.“
Bis zu diesem Zeitpunkt lagerte das Volk am Berg Sinai. Von Kapitel 10,11 bis Kapitel 21 wird die Reise vom Berg Sinai in die Ebene Moab, kurz vor dem Heiligen Land, geschildert. Diese Reise dauerte fast 40 Jahre.
Leider lesen wir schon in Kapitel 11 vom Murren des Volkes. Es sehnt sich nach den „Gurken und Melonen“ Ägyptens zurück. Natürlich war das Leben in der Wüste nicht einfach. Aber hatten sie die Knechtschaft und Ausbeutung unter dem Pharao von Ägypten ganz vergessen?
Ein Kapitel später lesen wir von einer weiteren Auflehnung, diesmal von Mirjam und Aaron, den Geschwistern Moses.
4Mo 12,2: „Redet denn der HERR allein zu Mose? Redet er nicht auch zu uns?“
Als Folge dieser Auflehnung entbrennt der Zorn Gottes über Mirjam, so dass sie "aussätzig wie Schnee" wird. Durch die Fürbitte Moses wurde Mirjam wieder geheilt.
Kundschafter in Kanaan (13-14)
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Gott beauftragt Mose, das Land Kanaan zu erkunden. 12 Männer (einer aus jedem Stamm) sollen sich auf den Weg machen und dem Volk Bericht erstatten. Nach 40 Tagen kehren sie zurück.
4Mo 13,27-28: "Wir sind in das Land gekommen, in das du uns sandtest, und es fließt wirklich Milch und Honig darin, und dies ist seine Frucht. 28 Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark, und die Städte sind sehr fest und groß. Und wir sahen auch Söhne Enaks dort."
Soweit die Fakten. Noch sind sich alle Kundschafter einig. Doch in der nun folgenden Interpretation der Fakten bilden sich zwei Lager. Auf der einen Seite stehen Josua und Kaleb:
4Mo 13,30: "Lasst uns doch hinaufziehen und [das Land] einnehmen, denn wir werden es gewiss bezwingen!"
Sie vertrauen darauf, dass der allmächtige Gott, der ihnen das Land verheißen hat, sie auch sicher dorthin führen kann. Im anderen Lager aber stehen die übrigen zehn Kundschafter, und ihre Botschaft lautet:
4Mo 13,31: "Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist stärker als wir!"
So bringen sie das Land in Verruf bei den Kindern Israel. Das ganze Volk murrt gegen Mose:
4Mo 14,2: "Ach, dass wir doch im Land Ägypten gestorben wären oder noch in dieser Wüste sterben würden!"
Zu diesem Zeitpunkt war ihnen die Tragweite ihrer Worte wohl noch nicht bewusst. Doch genau so sollte es kommen. Denn noch einmal entbrannte der Zorn des Herrn über das ganze Volk Israel:
4Mo 14,22-23: "Keiner der Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich in Ägypten und in der Wüste getan habe, und die mich nun schon zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, 23 [keiner] soll das Land sehen, das ich ihren Vätern zugeschworen habe; ja, keiner soll es sehen, der mich verachtet hat!"
4Mo 14,29: "Eure Leichname sollen in dieser Wüste fallen und alle eure Gemusterten, die ganze Zahl, von 20 Jahren an und darüber, die ihr gegen mich gemurrt habt."
Diese Auflehnung des Volkes führte also dazu, dass Gott ein 40-jähriges Gericht über sie verhängte.
Ist es nicht erstaunlich, dass Gott trotz dieser Rebellion in Kapitel 15 Opferbestimmungen für das Land Kanaan aufstellt? Er ist nach wie vor gewillt, sein Volk in das verheißene Land zu führen, und er wird es auch tun. Aber erst mit der nächsten Generation.