1 - 11 | Berufung von Mose (Israel in Ägypten) |
12 - 18 | Erlösung aus Ägypten |
19 - 40 | Bundesschluss am Berg Sinai
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Das Buch beginnt mit der Schilderung, wie Israel (= Jakob) nach Ägypten kommt. 280 Jahre nach Josephs Tod wird Mose geboren und von Gott beauftragt, das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten zu befreien. Doch der Pharao will sie nicht ziehen lassen. Die zehn Plagen bringen ihn zum Umdenken. Gott verhilft dem Volk Israel durch ein Wunder zu einer dramatischen Flucht durch das Schilfmeer. 430 Jahre lebt Israel in Ägypten (2Mo 12,40). In dieser Zeit ist aus einer kleinen Flüchtlingsfamilie von 70 Personen ein großes Volk von 600.000 Männern (ohne Frauen und Kinder) geworden.
Geistliche Deutung
Die Befreiung aus Ägypten ist ein großes Vorbild für das, was mit dem Gläubigen geschieht. Denn auch der Gläubige wird durch das Blut des Lammes aus der Knechtschaft der Sünde befreit. In 2Mo 7,16 wird das Ziel dieser Erlösung/Befreiung genannt, nämlich Gott anzubeten. Und es wird von den Argumenten berichtet, die Pharao/Satan benutzt, um uns von diesem Ziel abzuhalten. Schließlich beschreibt das Buch unseren Auszug aus dem Machtbereich des Pharao/Satan. Durch das Wasser des Schilfmeeres (die Taufe) erreichen wir die Wüste (vgl. 1Kor 10,1-4). Die Welt um uns herum soll für den Gläubigen eine Wüste sein, in der er nichts Anziehendes findet! Frage: Ist das so? In vielen Bildern lesen wir, wie die Gläubigen vom Heiligen Geist durch diese Wüste (dieses Leben) geführt werden (2Mo 13,21). In der Wüste finden wir geistliche Speise und geistlichen Trank (Manna in 2Mo 16,31; Wasser in 2Mo 17,6).
Der Sklavendienst Israels (1-2)
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Im ersten Kapitel lesen wir, dass sich die Familie Israels stark vermehrt hat und zu einem großen Volk geworden ist. Viele Jahre nach Josephs Tod kommt ein Pharao an die Macht, der von Josephs rettendem Wirken nichts mehr weiß. Er sieht im Volk Israel eine Gefahr – und eine Chance.
2Mo 1,9-10: „Siehe, das Volk der Kinder Israels ist zahlreicher und stärker als wir. 10 Wohlan, lasst uns kluge Maßnahmen gegen sie ergreifen, dass sie nicht zu viele werden. (…)“
Um die Vermehrung der Israeliten einzudämmen, zwingt er das Volk in die Sklaverei. Diese Maßnahme erweist sich jedoch als wirkungslos. Deshalb befiehlt der Pharao zusätzlich, alle männlichen Kinder direkt nach der Geburt zu töten.
In dieser Zeit erblickt Mose das Licht der Welt. Aus der Not heraus und um ihn vor den ägyptischen Soldaten zu schützen, legt ihn seine Mutter in ein Kästchen und stellt dieses ins Schilf am Ufer des Nils. Durch Gottes Gnade kommt die Tochter Pharaos zum Baden hinab und entdeckt das Kind. Sie nimmt es zu sich und zieht es am Hof des Pharao auf. Dort bleibt Mose bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr und erhält eine hervorragende Ausbildung.
Doch Mose sieht sich immer noch auf der Seite der Israeliten. Als er sich in einen Streit zwischen einem Ägypter und einem Israeliten einmischt, erschlägt er den Ägypter (2Mo 2,12). Mose muss fliehen und kommt nach Midian, wo er bei dem Priester Jethro unterkommt und später dessen Tochter Zippora heiratet. Die beiden letzten Verse von Kapitel 2 bilden den Auftakt zum Hauptteil des Buches.
2Mo 2,24-25: „Und Gott erhörte ihr Wehklagen, und Gott gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. 25 Und Gott sah auf die Kinder Israels, und Gott nahm sich ihrer an.“
Der brennende Dornbusch (3-4)
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Im Alter von 80 Jahren hat Mose eine Erscheinung:
2Mo 3,2: „Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Und als er hinsah, siehe, da brannte der Dornbusch im Feuer, und der Dornbusch wurde doch nicht verzehrt.“
Der Begriff „Engel des Herrn“ wird im Alten Testament für die Person Jesu Christi verwendet. Zuerst stellt sich Gott dem Mose als der Gott Abrahams vor, dann weiht er Mose in seinen Plan ein und schließlich gibt Gott Mose einen Auftrag.
2Mo 3,6: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs!“
2Mo 3,8a: „Ich bin herabgekommen, um sie zu erretten aus der Hand der Ägypter und sie aus diesem Land zu führen in ein gutes und weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließt.“
2Mo 3,10: „So geh nun hin! Denn ich will dich zu dem Pharao senden, damit du mein Volk, die Kinder Israels, aus Ägypten führst!“
Das vierte Kapitel handelt von Moses Widerstand gegen diesen Auftrag, weil er „nicht reden kann“ (4,10). Doch Gott lässt diese Ausrede nicht gelten. Er gibt Mose drei Wunder an die Hand, mit denen er seine Autorität vor dem Pharao bekräftigen kann (Schlange, Aussatz, Blut). Außerdem stellt er ihm seinen Bruder Aaron zur Seite, der ein guter Redner ist (4,14). Gemeinsam schickt Gott die beiden zum Pharao. Als sie den Israeliten von Gottes Vorhaben berichten, sind diese zunächst hocherfreut und beten Gott an (4-31).
Mose und Aaron kommen zum Pharao und sprechen:
2Mo 5,1: „So spricht der HERR, der Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, damit es mir in der Wüste ein Fest hält!“
Doch der Pharao verweigert Mose diesen Wunsch. Einerseits fürchtet er die Israeliten wegen ihrer Zahl, andererseits will er auf die billigen Arbeitskräfte nicht verzichten. Noch am selben Tag gibt der Pharao den Befehl, die Arbeit des Volkes Israel weiter zu erhöhen. Doch im sechsten Kapitel lesen wir, dass Gott Mose ermutigt, seinen Plan weiter zu verfolgen.
2Mo 6,1: „Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao tun will! Denn durch eine starke Hand gezwungen wird er sie ziehen lassen, und durch eine starke Hand gezwungen wird er sie aus seinem Land treiben.“
Gott verheißt Mose, sich durch Zeichen und Wunder an den Ägyptern zu verherrlichen (7,3). Von nun an lesen wir nicht mehr, dass Mose dem Herrn widerspricht. Mose und sein Bruder „handelten genau so, wie ihnen der Herr geboten hatte“ (7,6).
So gehen die Brüder wieder zum Pharao und zeigen ihm eines der drei Wunder, die Gott dem Mose gegeben hat – der Stab des Mose verwandelt sich in eine Schlange. Da aber die ägyptischen Zauberer mit ihren Zauberkünsten dasselbe tun, verhärtet der Pharao sein Herz. In den folgenden Kapiteln treten Mose und Aaron insgesamt zehnmal vor den Pharao und fordern ihn auf, das Volk Israel ziehen zu lassen. Diesen Forderungen folgt jeweils eine Plage Gottes über das Land Ägypten. Während der Pharao bei den ersten fünf Plagen sein Herz jeweils selbst verhärtet, geschieht dies bei den letzten fünf Plagen durch Gott. An diesem Punkt hat der Pharao den „point of no return“ überschritten, es gibt für ihn kein Zurück mehr. So kann es auch uns gehen, wenn wir das Evangelium Gottes immer wieder ablehnen.
Insgesamt schlägt Gott die Ägypter mit den folgenden 10 Plagen:
- Wasser wird zu Blut (7,14)
- Frösche (7,26)
- Stechmücken (8,12)
- Hundsfliegen (8,16)
- Viehseuche (9,1)
- Geschwüre (9,8)
- Hagel (9,13)
- Heuschrecken (10,1)
- Finsternis (10,21)
- Tod der Erstgeburt (12,29)
Schon nach der dritten Plage wird der Pharao von seinen Zauberern gewarnt: „Das ist der Finger Gottes“ (8,15). Dennoch verhärtet der Pharao immer wieder „sein Herz und ließ das Volk nicht ziehen“ (8,28). Es fällt auf, dass Gott einen Unterschied macht zwischen den Israeliten und den Ägyptern.
2Mo 10,22-23: „Und es kam eine dichte Finsternis im ganzen Land Ägypten, drei Tage lang, 23 sodass während drei Tagen niemand den anderen sehen konnte, noch jemand von seinem Platz aufstehen konnte. Aber alle Kinder Israels hatten Licht in ihren Wohnungen.“
Rettung durch das Passahlamm (12)
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In Kapitel 12 wird die zehnte und letzte Plage beschrieben, die dem Volk Israel den Weg zur Rettung öffnet.
2Mo 11,4-5+7: „So spricht der HERR: Um Mitternacht will ich mitten durch Ägypten gehen, 5 und alle Erstgeburt im Land Ägypten soll sterben — von dem Erstgeborenen des Pharao, der auf seinem Thron sitzt, bis zum Erstgeborenen der Magd, die hinter der Handmühle sitzt; auch alle Erstgeburt unter dem Vieh.
7 Aber bei allen Kindern Israels soll kein Hund die Zunge regen, weder gegen Menschen noch gegen das Vieh, damit ihr erkennt, dass der HERR einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel.“
Die Israeliten sollen ein Lamm schlachten und das Blut des Lammes an die Türpfosten des Hauses streichen (12,7). Das Lamm stirbt stellvertretend, damit niemand im Haus sterben muss. Das ist ein wunderbares Bild für den Herrn Jesus Christus, der stellvertretend in den Tod gegangen ist, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht mehr sterben muss.
Und so bereitet sich das Volk Israel auf den Aufbruch vor. Am Abend schlachten sie das Passahlamm und bestreichen die Türpfosten mit dem Blut. Um Mitternacht zieht der Gerichtsengel durch ganz Ägypten. Überall, wo er das Blut sieht, geht er vorüber („Passah“ = „vorübergehen“). In ganz Ägypten aber stirbt jeder erstgeborene Sohn.
2Mo 12,29: „Und es geschah um Mitternacht, da schlug der HERR alle Erstgeburt im Land Ägypten, von dem erstgeborenen Sohn des Pharao, der auf seinem Thron saß, bis zum erstgeborenen Sohn des Gefangenen, der im Gefängnis war, auch alle Erstgeburt des Viehs.“
Nun hatte die Ägypter die Angst um ihr Leben gepackt. Sie drängten die Israeliten, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Damit erfüllte sich die Aussage Gottes in 2Mo 6,1 (s.o.).
Der Auszug Israels (13-14)
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430 Jahre nachdem Jakob mit seiner Familie aus Kanaan nach Ägypten gezogen ist, zieht das Volk Israel wieder aus Ägypten aus. Jakobs Familie ist inzwischen zu einem Volk von etwa 2 Mio. Menschen geworden. Sie ziehen nun wieder in Richtung des Landes, das Gott seinem Volk verheißen hat. Doch wie schon in der Einleitung angedeutet, ändert der Pharao erneut seine Meinung und schickt sein ganzes Heer hinter den Israeliten her (14,9). So kommt zu den zehn Plagen noch eine elfte hinzu, nämlich die Vernichtung des gesamten ägyptischen Heeres. Israel hingegen kann durch ein Wunder Gottes trockenen Fußes durch das Rote Meer ziehen.
2Mo 14,21: „Als nun Mose seine Hand über das Meer ausstreckte, da trieb der HERR das Meer die ganze Nacht durch einen starken Ostwind hinweg; und er machte das Meer zu trockenem Land, und die Wasser teilten sich.“
Nach diesen Ereignissen lesen wir die wunderbaren Worte des Volkes Israel:
2Mo 14,31: „Da sah Israel die mächtige Hand, mit welcher der HERR an den Ägyptern gehandelt hatte; und das Volk fürchtete den HERRN, und sie glaubten an den HERRN und an seinen Knecht Mose.“
Israel in der Wüste (15-18)
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Doch die Freude währt nicht lange. Denn in den Kapiteln 16 und 17 lesen wir gleich zweimal, dass das Volk Gottes murrte. Schlimmer noch: Sie sehnten sich zurück nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“ (16,3). Wie schnell ließen sie sich von der Nachfolge Gottes abbringen. Gott nimmt sich seines Volkes an und versorgt es mit Manna, einem „Himmelsbrot“, das die Menschen bis dahin nicht kannten.
In Kapitel 17 lesen wir vom zweiten Murren, weil dem Volk das Wasser ausgeht. Auch hier tut Gott ein Wunder:
2Mo 17,6: „Siehe, ich will dort vor dir auf dem Felsen am Horeb stehen; und du sollst den Felsen schlagen, und es wird Wasser herauslaufen, damit das Volk zu trinken hat.“
Als Christen sind wir alle unterwegs in der Wüste auf dem Weg ins verheißene Land. Ich wünsche dir, dass du bei Anfechtungen nicht gleich in dein altes Leben zurückläufst, sondern dass du in der Nachfolge standhaft bleibst und deinem Gott rechtzeitig sagst, wenn dir etwas fehlt.