1 - 2
| Prolog
|
3 | Hiobs Hilfeschrei |
4 - 14 | Erste Gesprächsrunde (mit den drei Freunden)
|
15 - 21
| Zweite Gesprächsrunde |
22 - 31
| Dritte Gesprächsrunde
|
32 - 37
| Die Rede von Elihu
|
38 - 41 | Gott spricht zweimal zu Hiob! |
42 | Epilog |
Die drei Freunde Hiobs haben ihn in drei ausschweifenden Gesprächsrunden immer wieder der Sünde bezichtigt. Wie Hiob sind sie der Meinung, dass Gott den Gerechten belohnt und den Ungerechten richtet. Doch während Hiob sich selbst für gerecht hält und deshalb das Gericht Gottes nicht verstehen kann, unterstellen die drei Freunde Hiob immer wieder Bosheit und Unbußfertigkeit.
Hi 22,4-5: „Straft er dich etwa wegen deiner Gottesfurcht, und geht er deshalb mit dir ins Gericht? 5 Sind nicht deine Missetaten groß und deine Schulden ohne Ende?“
Im letzten Vers von Kapitel 32 heißt es: „Zu Ende sind die Reden Hiobs“. Damit enden auch die Reden seiner drei Freunde. Doch unbemerkt hat sich noch eine fünfte Person unter sie gemischt, die offenbar alle drei Gesprächsrunden gehört hat: Elihu.
Wegen seines jungen Alters hatte er bisher geschwiegen. Nun aber, da den anderen die Worte ausgegangen sind, setzt er zu einer langen Rede an, die sich immerhin über sechs Kapitel der Bibel erstreckt. Mit Elihus Rede kommen wir zum zweiten Teil des Buches Hiob.
Die Rede von Elihu (32-37)
|
In den Kapiteln 32 bis 41 spricht Gott: Zuerst gebraucht er durch den Heiligen Geist seinen Knecht Elihu. Dann vervollständigt er das Wort Elihus, indem er selbst aus einem Sturm heraus zu Hiob spricht.
Elihu ist ein junger Mann, der gewartet hat, bis die Älteren verstummt sind. Auffallend ist, dass Elihu Hiob immer wieder Gelegenheit gibt, zu antworten. Aber Hiob tut es nicht. Was Elihu sagt, unterscheidet sich grundlegend von dem, was die anderen drei Freunde gesagt haben. Elihu beleidigt Hiob nicht, er wirft ihm auch keine verborgenen Sünden vor. Er stellt sich vielmehr auf die gleiche Ebene wie Hiob und spricht nicht „von oben herab“ (33,6). Dennoch sagt er klar und deutlich die Wahrheit und bezieht sich dabei auf das, was Hiob selbst gesagt hat (33,8; 34,5; 34,35; 35,2).
Übrigens bestätigt Gott im letzten Kapitel des Buches, dass Elihu nichts Falsches über Gott gesagt hat. Nur die drei Freunde Hiobs werden getadelt (42,7-8).
Elihus Botschaft lässt sich kurz zusammenfassen:
- Gott ist größer als der Mensch. (33,12)
- Gott braucht keine Verantwortung vor uns abzulegen von dem, was Er tut! (33,13)
- Dennoch spricht er zu den Menschen, und zwar auf zweierlei Weise (33,14):
a. Durch Träume (33,15)
b. Durch Schmerzen (33,19+22)
Ziel dieses Redens Gottes ist es, dass der Mensch über seinen Schöpfer nachdenkt. Der Mensch klagt zwar oft, aber er fragt nicht nach seinem Schöpfer (35,9-10). Durch diese Träume und Schmerzen will Gott den Menschen aufrütteln, er will auf ihn zugehen und ihm seine Gerechtigkeit anbieten (33,23+30). Jeder Mensch bekommt von Gott zwei- oder dreimal die Gelegenheit, dieses Angebot anzunehmen (d.h. sich zu bekehren!).
Hiob 33,29-30: „Siehe, dies alles tut Gott zwei- oder dreimal mit dem Menschen, 30 um seine Seele vom Verderben zurückzuholen, damit sie erleuchtet werde mit dem Licht der Lebendigen.“
Gott ist also kein ungerechter Richter (Kap. 34), sondern ein vollkommener Lehrer (Kap. 36).
Hi 36,22: „Siehe, Gott ist erhaben in seiner Kraft; wer ist ein Lehrer wie er?“
Am Ende seiner Rede weist Elihu auf die Größe Gottes hin, während ein Sturm aufzieht (Kap. 37).
Hi 37,23-24: „Den Allmächtigen finden wir nicht; er ist von unbegreiflicher Kraft, voll Recht und Gerechtigkeit; er beugt sie nicht. 24 Darum fürchten ihn die Menschen; er aber sieht keinen an, der sich selbst für weise hält!“
Gott spricht zweimal zu Hiob! (38-41)
|
Während Elihu noch redet, kommt Gott selbst und spricht aus dem Sturm zu Hiob. Er zeigt ihm seine Größe und die Nichtigkeit Hiobs. Gott muss zweimal reden, weil Hiob ihn beim ersten Mal noch nicht versteht. Auf die erste Rede Gottes (Kapitel 38+39) antwortet Hiob wie folgt:
Hi 40,4-5: „Siehe, ich bin zu gering; was soll ich dir erwidern? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen! 5 Ich habe einmal geredet und konnte nichts antworten, und noch ein zweites Mal, und ich will es nicht mehr tun!“
Auf die zweite Rede Gottes 40-41 antwortet Hiob hingegen:
Hi 42,5-6: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. 6 Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und in Asche!“
Erst jetzt hat Gott sein Ziel mit Hiob erreicht! Hiob war zwar von Anfang an ein gerechter Mensch und diente Gott aufrichtig (1,8 und 2,3). Vielleicht kann man ihn mit dem Hauptmann Kornelius aus Apostelgeschichte 10 vergleichen. Beide waren fromm und gottesfürchtig, brauchten aber das Evangelium, um Gott besser kennen zu lernen und Vergebung ihrer Sünden zu erlangen.
Interessant ist, dass Hiob schon 2000 Jahre vor der Geburt Jesu so viel wusste:
Hi 19,25-26: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben. 26 Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los, Gott schauen.“
Genau deshalb kam Gott auf ihn zu. Er wollte Hiob noch mehr von sich offenbaren. Dieser Gedanke erinnert mich an eine Liedzeile einer bekannten Band:
„To know You is to want to know You more"
(Casting Crowns, To Know You)
Oder an ein bekanntes Wort Jesu:
Luk 19,26: „Denn ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von ihm wird auch das genommen werden, was er hat."
Dinosaurier in der Bibel?
Als Gott im Sturm zu Hiob spricht, stellt er ihm über siebzig Fragen. Mit diesen Fragen macht Gott deutlich, dass er dem selbstbewussten Hiob an Macht und Weisheit weit überlegen ist. So kann Hiob zwar die Sterne beobachten, aber nichts tun, was die Lichtjahre entfernten Himmelskörper irgendwie beeinflussen könnte. Gott hingegen hat sie vollkommen im Griff.
Hi 38,31: „Knüpfst du die Bande des Siebengestirns, oder kannst du die Fesseln des Orion lösen?"
Das ganze Universum ist das Werk der Finger Gottes (Ps 8,4-5). Das sollte uns demütig machen. Statt uns aufzuschwingen und die Wege Gottes zu kritisieren, sollten wir uns von Ihm belehren lassen.
Neben diesen fernen Himmelskörpern spricht Gott auch den Behemoth und den Leviathan an, zwei riesige Lebewesen, die Hiob gut bekannt sind. Die Bibel bezeichnet diese Tiere nicht als Dinosaurier (das Wort "Dinosaurier" wurde erst 1841 von Richard Owen geprägt), aber die Beschreibung macht deutlich, dass es sich nicht um ein Nilpferd oder einen Wal handelt.
Hi 40,15-18: „Sieh doch den Behemoth, den ich gemacht habe wie dich: Gras frisst er wie der Ochse! 16 Sieh doch, welche Kraft in seinen Lenden liegt und welche Stärke in seinen Bauchmuskeln! 17 Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten. 18 Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie Eisenstangen."
Hi 40,25-27: „Ziehst du etwa den Leviathan mit der Angel heraus, und kannst du seine Zunge mit einer Fangschnur fassen? 26 Kannst du ein Binsenseil durch seine Nase ziehen und einen Haken durch seine Kinnbacken stoßen? 27 Wird er dich lange anflehen oder dir freundliche Worte sagen? (...) 11 Aus seinem Rachen schießen Fackeln; Feuerfunken sprühen aus ihm heraus. (...) Sein Hauch entzündet Kohlen, eine Flamme schießt aus seinem Rachen."
Da Hiob kurz nach der Sintflut lebte, gab es zu seiner Zeit offensichtlich noch Dinosaurier.
Wir kommen nun zum entscheidenden Ausgang dieses Buches, zu der großen Lektion, die Hiob endlich gelernt und verstanden hat. Sie heißt: Befreiung vom eigenen, abscheulichen Ich.
Während Gott zu Hiob spricht, verschwindet mehr und mehr die gute Meinung, die Hiob von sich selbst hatte. Mit Schrecken entdeckt Hiob die Bosheit seines Herzens. Er, der sich vorgenommen hatte, nichts mehr zu sagen (39,35), ruft aus: „Ich spreche mich schuldig und tue Buße“ (42,6). Das sagt ein Mensch, der „untadelig, rechtschaffen, gottesfürchtig ist und das Böse meidet“ (Hi 2,3), wenn er in der Gegenwart Gottes ist.
Gott hat Hiob „gesichtet wie den Weizen" (vgl. Lk 22,31). Für Hiob war dies eine schmerzliche Lektion, die ihn aber von seinem übertriebenen Selbstvertrauen befreite. Er kann nun seine Brüder stärken und für seine Freunde beten.
Gott nennt ihn viermal „mein Knecht Hiob“ (42,7+8) und tadelt die drei „leidigen“ Tröster (42,7). Er schickt Hiob andere, die ihm echtes Mitleid bezeugen und ihn wirklich trösten. Und er stellt nicht nur die frühere Stellung des Patriarchen wieder her, sondern gibt ihm das Doppelte von dem, was er vorher besaß. Doch nun hat Hiob etwas erworben, das wertvoller ist als alles andere: Er hat Gott erkannt – und gleichzeitig sich selbst.
Hi 42,10-11: „Und der HERR wendete Hiobs Geschick, als er für seine Freunde bat; und der HERR erstattete Hiob alles doppelt wieder, was er gehabt hatte. 11 Und alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten kamen zu Hiob und aßen mit ihm in seinem Haus; und sie bezeugten ihm Teilnahme und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn gebracht hatte, und schenkten ihm ein jeder eine Kesita und einen goldenen Ring."
Gott benutzt das Leben (oder besser: das Leiden) von Hiob am Anfang der Menschheitsgeschichte, um uns eine wunderbare Lektion zu erteilen:
Die Aussage „Wenn ein Mensch leidet, dann hat er gesündigt, und wenn er Gutes tut, dann segnet ihn Gott“ stimmt einfach nicht.
Das bezeugt schon das älteste Buch der Bibel!