Am Ende des 8. Kapitels hat Jesus seine Jünger über die Nachfolge belehrt. Zu diesem Zeitpunkt ahnten sie wohl noch nicht, dass ihr Meister schon bald sein Kreuz im wahrsten Sinne des Wortes vor ihnen hertragen würde.
Mar 8,34: "Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!"
Kapitel 9 beginnt mit einer aufregenden Ankündigung. Einige der Jünger sollen schon in diesem Leben das Reich Gottes in Kraft kommen sehen. Diese Ankündigung erfüllt sich sechs Tage später, als Jesus seine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg mitnimmt und vor ihnen verklärt wird. Für einen Augenblick konnten sie seinen verherrlichten Leib sehen.
Im 10. Kapitel spricht Jesus mit einem reichen Jüngling, dessen Reichtum ein Hindernis für seinen Glauben zu sein scheint. Nachdem Jesus ihm eine Lösung für dieses Hindernis vorgeschlagen hat, geht er traurig weg, weil er sich einen leichteren Weg ins Himmelreich erhofft hatte. Aber Jesus hat nie gesagt, dass der Weg der Nachfolge leicht und mühelos sei (vgl. Mar 8,34).
Mar 10,25: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt."
Der Einzug des Messias in Jerusalem wird im 11. Kapitel berichtet. Dies geschieht am Palmsonntag, dem 10. Nisan des jüdischen Kalenders. Jesus reitet auf einem Eselsfüllen, um die Prophezeiung aus Sacharja 9,9 zu erfüllen.
Sach 9,9: "Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin."
Hier trifft Jesus auf den Feigenbaum, der nur Blätter trägt und keine Knospen, die auf eine kommende Frucht hinweisen. Dieser Feigenbaum ist ein Bild für Israel, das trotz aller Fürsorge Gottes den Messias ablehnt und keine geistliche Frucht bringt. Jesus verflucht nun diesen Feigenbaum, im übertragenen Sinn verflucht er damit auch den alten Bund Gottes mit Israel. Der alte Bund vom Berg Sinai hat von nun an keinen Wert mehr, denn Jesus wird in seinem Blut einen neuen Bund aufrichten. Von nun an gibt es keine Errettung mehr durch das Halten von Geboten und Riten, sondern nur noch durch den Glauben an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi.
Doch so weit ist es noch nicht. Zunächst wird Jesus von den Juden auf die Probe gestellt. Ab Vers 27 traten die obersten Priester, Schriftgelehrten und Ältesten vor ihn.
In Kapitel 12 treten die Pharisäer und Herodianer vor ihn, um ihn zu prüfen (12,13ff). Dann begebnet Jesus den Sadduzäern, die Ihn mit einer Frage über die Auferstehung herausfordern (12,18).
Schließlich kommt ein kluger Schriftgelehrter und fragt nach dem größten Gebot (12,28). Während Jesus die vorhergehenden Gruppen abwies, konnte er zu diesem sagen:
12,34: "Du bist nicht fern vom Reich Gottes!"
Im 13. Kapitel lesen wir die Endzeitrede Jesu, die wir bereits im Matthäus-Evangelium ausführlich betrachtet haben.
Kapitel 14: Dieses Kapitel beginnt mit dem Plan der obersten Priester, Jesus nach dem Passahfest zu töten. Dann lesen wir in den Versen 3-9 einem Rückblick, als Jesus einige Tage zuvor mit einem sehr kostbaren Salböl "im voraus zum Begräbnis gesalbt" wurde (14,8). Diese aus Judas´ Sicht so eklatante Verschwendung mag der Grund dafür sein, dass er im nächsten Abschnitt zu den obersten Priestern geht und ihnen anbietet, Jesus zu verraten.
Am Donnerstagabend feiert Jesus mit seinen Jüngern das Passahmahl. Nachdem Jesus in den Versen 22-25 das "Mahl des Herrn" eingesetzt hat, geht er mit seinen Jüngern an den Ölberg. Dort kündigt er Petrus seine dreifache Verleugnung an.
Mar 14,30: "Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!"
Dann kommt Jesus mit seinen Jüngern nach Gethsemane, wo er seinen Vater bittet, diesen Kelch an Ihm vorübergehen zu lassen. Mit diesem Kelch ist nicht unbedingt der bevorstehende Tod gemeint, sondern eher die drei Stunden der Finsternis, in denen Gott sich von Jesus abwenden muss, weil Jesus alle Schuld der Welt tragen wird. Aber Gott, der Vater, kann diesen Kelch nicht von Ihm nehmen, denn es gibt keinen anderen Weg zur Rettung der Menschen.
Mitten in der Nacht wird Jesus verhaftet und die Jünger fliehen (14,43-50). Noch in derselben Nacht wird Jesus vor den Hohen Rat geführt und vom Hohepriester verhört. Während dieses Verhörs kommt es zur dreifachen Verleugnung durch Petrus (14,66-72).
Kapitel 15: Jesus wird am Freitagmorgen zu Pilatus gebracht, da die Juden selbst kein Todesurteil fällen durften. Pilatus wurde jedoch von der Menge so unter Druck gesetzt, dass er ihrem Willen nachgab und Jesus zur Kreuzigung abführen ließ.
Ab Vers 21 lesen wir von der Kreuzigung und dem Tod Christi. Nach dem Tod Jesu riss der Vorhang im Tempel, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, von oben bis unten entzwei (15,38). Aus geistlicher Sicht bedeutet dies, dass nun der Zugang zu Gott für jeden Menschen frei ist, der an das stellvertretende Opfer Jesu glaubt.
Die Auferstehung Jesu am dritten Tag wird in Kapitel 16 geschildert. Ähnlich wie im Matthäus-Evangelium fordert der Herr vor seiner Himmelfahrt seine Jünger (und damit auch dich und mich) auf, die Frohe Botschaft in der ganzen Welt zu verkünden. Damit endet das Markus-Evangelium.