AT-Buch | Kapitel | Abfassung | Verfasser |
8 | 4 | 1300 v. Chr. | unbekannt |
Kapitel | Inhalt |
1 | Naomi in Moab |
2 | Ruth auf Boas´ Feldern |
3 | Auf der Tenne |
4 | Boas im Stadttor |
Das Buch Ruth steht in unserer Bibel direkt hinter dem Buch Richter. Es ist gewissermaßen ein „Dritter Anhang“ zu diesem Buch (nach den beiden Anhängen in den Kapiteln 17–21). Die Geschichte von Ruth spielt zur Zeit der Richter (Vers 1). Es war eine Zeit ohne (geistliche) Führung. Jeder tat, „was Recht war in seinen Augen“.
Doch auch in den schlimmsten Zeiten ist Gott am Werk. Trotz und teilweise sogar durch die Sünden seines Volkes kann und wird er zu seiner Ehre handeln. Dieser Grundsatz gilt sowohl für sein Volk als Ganzes als auch für jeden einzelnen Gläubigen. Denn selbst in Zeiten des Abfalls gibt es noch Glauben und Gehorsam. Gott bewahrt sich immer einen Überrest!
Neben Ruth wird uns Boas als zweite Hauptperson des Buches vorgestellt. Boas ist ein Typus auf Christus. Er wird für Ruth zum (Er-)Löser, da er ihr Blutsverwandter ist. Diese Geschichte kündigt das Kommen Jesu als Erlöser aller Gläubigen an (1Pt 1,18–19).
Das Elend von Naomi (Verse 1–5)
Die ersten fünf Verse sind die Vorgeschichte. In der Zeit der Richter schickt Gott eine Hungersnot, um sein Volk zu züchtigen. Anstatt zu bleiben und auf Gott zu vertrauen, zog Elimelech mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nach Moab, einem heidnischen Land mit fremden Göttern. Zuerst starb Elimelech. Dann nahmen sich die beiden Söhne moabitische Frauen. Schließlich starben beide Söhne kinderlos. Sowohl der Tod des Vaters als auch der Tod der beiden Söhne sind als Gericht Gottes zu deuten.
Naomis Rückkehr nach Bethlehem (Verse 6–18)
In dieser Situation lässt Gott Naomi das Gerücht hören, dass es in Bethlehem wieder Brot gibt. Sie beschließt, nach Juda zurückzukehren. Begleitet wird sie von ihren beiden Schwiegertöchtern Orpa und Ruth. Unterwegs versucht Naomi, ihre Schwiegertöchter davon abzuhalten, mit ihr nach Israel zu gehen. Während sich Orpa von ihr verabschiedet, um in Moab zu bleiben, beschließt Ruth, mit Naomi zu gehen. Orpa entscheidet verstandesmäßig, Ruth geistlich.
Ruth 1,16–17: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.“
„Wo du bleibst, da will auch ich bleiben.“
„Dein Volk ist mein Volk.“
„Dein Gott ist mein Gott.“
„Wo du stirbst, da sterbe auch ich.“
Bemerkenswert ist der 21. Vers. Denn erst in Bethlehem erkennt Naomi, wie voll sie gegangen und wie leer sie zurückgekehrt ist.
Ruth 1,21a: „Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wieder heimgebracht.“
| Ruth 2: Ruth auf Boas´ Feldern |
Naomi und Ruth kommen zur Zeit der Gerstenernte nach Bethlehem. Ruth beschließt, auf den Gerstenfeldern Nachlese zu betreiben.
In diesem Kapitel wird Boas vorgestellt. Er segnet seine Knechte, gibt ihnen Anweisungen, wacht über alles und bemerkt die arme Ährenleserin Ruth. Er erweist ihr Gnade, obwohl sie eine Moabiterin ist. Mehr noch: Er spricht zu ihrem Herzen und tröstet sie. Mit diesen Taten ist Boas ein klares Vorbild des Herrn Jesus. Ruth fragt vorsichtig:
Ruth 2,10: „Warum habe ich vor deinen Augen Gnade gefunden, dass du dich um mich kümmerst, da ich doch eine Fremde bin?“
Boas, der bereits von Ruths Herkunft weiß, antwortet ihr:
Ruth 2,12: „Der HERR vergelte dir deine Tat, und dir werde voller Lohn zuteil von dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, um Zuflucht zu suchen unter seinen Flügeln!“
In Vers 20 erwähnt Naomi, dass Boas „zu unseren Lösern gehört“. Wenn eine Frau verwitwet war und keine Nachkommen hatte, war es die Aufgabe des Lösers, diese Frau zu heiraten und für Nachkommen zu sorgen. So blieb das Familienerbe erhalten und fiel nicht einem anderen zu.
Naomi bemüht sich, einen neuen Mann für Ruth zu finden. Sie gibt ihr genaue Anweisungen, wie sie mit Boas, dem Löser, verfahren soll.
Ruth 3,3-4: „So bade dich nun und salbe dich und lege deine Kleider an und geh zur Tenne hinab; aber lass dich von dem Mann nicht bemerken, bis er fertig ist mit Essen und Trinken! 4 Wenn er sich dann schlafen legt, so achte auf den Ort, wo er sich niederlegt, und geh hin und hebe die Decke zu seinen Füßen auf und lege dich dort hin; und er wird dir sagen, was du tun sollst.“
Ruth befolgt die Anweisungen ihrer Schwiegermutter und erhält von Boas ein weiteres Wort des Segens:
Ruth 3,10: „Gesegnet seist du vom HERRN, meine Tochter! Du hast jetzt noch edler gehandelt als zuvor.“
Es gibt eine Zeit zum Handeln und eine Zeit zum Warten. Nach Ruths Handlung auf der Tenne ist nun Boas am Zug. Er macht sich gleich am nächsten Tag auf den Weg, um das weitere Vorgehen zu klären. Für Ruth gilt nun, was Naomi gesagt hat:
Ruth 3,18: „Bleibe still, meine Tochter, bis du erfährst, wie die Sache ausgeht; denn der Mann wird nicht ruhen, bis er die Sache noch heute zu Ende geführt hat!“
Boas begab sich zum Stadttor von Bethlehem. Dort hielt sich ein anderer Löser auf, der näher verwandt war. Boas rief zehn Männer von den Ältesten herbei und bat dem anderen Löser den Vortritt an. Als dieser ablehnte, wendete sich Boas an die Ältesten.
Ruth 4,9–10: „Ihr seid heute Zeugen, dass ich aus der Hand Naemis alles erworben habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehörte. 10 Dazu habe ich mir Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons, zur Ehefrau erworben, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil wieder aufzurichten (…).“
Und so nahm Boas Ruth, und sie wurde seine Frau. Der Herr schenkte ihnen einen Sohn: Obed. Obed ist der Großvater des berühmten Königs David. Auf diese Weise kam Ruth nicht nur in die Liste der Vorfahren König Davids, sondern auch in die Liste der Vorfahren Jesu Christi.
Was können wir von Ruth lernen?
- Gott erreicht sein Ziel trotz unserer Sünde – und manchmal sogar durch unsere Sünde.
- Gott hat auch mit dir gute Absichten. Egal, wo du bist und in welcher Situation du dich befindest. Das Buch Ruth will dir in jeder Situation Hoffnung geben.