Anweisungen für den Opferdienst (1–7) |
Immer wieder lesen wir in diesem Buch: „Und der Herr rief Mose …“. In den ersten fünf Kapiteln gibt Gott Mose die Anweisungen für den Opferdienst.
- Kapitel 1: Brandopfer
- Kapitel 2: Speisopfer
- Kapitel 3: Friedensopfer
- Kapitel 4: Sündopfer
- Kapitel 5: Schuldopfer
Ziel der Opfer war es nicht, Gott zu bezahlen oder ihm Nahrung zu geben. Es ging auch nicht darum, ihm einen „lieblichen Geruch“ (1,9) zu bringen, weil Gott so gerne Rauch riecht. Vielmehr standen folgende Punkte im Vordergrund:
- Sünd- und Schuldopfer:
- Sünde muss bestraft werden. Die Strafe wird auf das Tier gelegt.
- Der Sünder wird versöhnt und erhält Vergebung (3Mo 4,26).
- Es ist ein Ansporn zu einem heiligen Leben.
- Friedensopfer:
- Gemeinschaft mit Gott.
- Gemeinschaft mit den „Geschwistern“.
- Brandopfer:
- „Sühnung“ im Sinne der Übertragung des Wohlgefallens des Tieres auf den Opfernden (vgl. Eph 1,6–7).
- Tägliches Brandopfer:
- Gott will durch dieses Opfer inmitten der Kinder Israel wohnen.
Jede Sünde verdient eine Strafe. Das Gesetz sagt uns, wie wir leben sollen. Wer es bricht, wird bestraft. Welche Strafe einem Menschen auferlegt wird und ob er ein stellvertretendes Opfer darbringen darf, hängt von seiner Gesinnung ab. Deshalb wird zwischen „aus Versehen sündigen“ (4,2) und „vorsätzlich sündigen“ unterschieden.
(a) Versehentlich sündigen:
Dies ist vergleichbar mit „sündigen“ im allgemeinen Sinne, da jeder Mensch sündigt.
1Joh 1,8: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“
In diesem Fall wurde, nachdem die Sünde oder Schuld erkannt und Gott bzw. den Menschen bekannt wurde, ein Sünd- oder Schuldopfer dargebracht. In den Kapiteln 4 (Sündopfer) und 5 (Schuldopfer) lesen wir deshalb insgesamt siebenmal die Aussage „und es wird ihm vergeben werden“.
(b) Vorsätzlich sündigen:
Dies ist vergleichbar mit „in Sünde leben“, also die Gebote Gottes absichtlich und andauernd zu übertreten. In diesem Fall gibt es kein Opfer für die Sünde.
Hebr 10,26: „Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für die Sünden kein Opfer mehr übrig.“
4Mo 15,30: „Wenn aber eine Seele vorsätzlich handelt (…), so lästert sie den HERRN. Eine solche Seele soll ausgerottet werden mitten aus ihrem Volk.“
| Die Einsetzung des Priestertums (8–10) |
Die Kapitel 8–10 (zusammen mit den Versen 24,10–13) bilden eine Ausnahme im Buch Levitikus, denn nur hier finden sich geschichtliche Ereignisse. Zusammen mit den prophetischen Worten des Kapitels 26 sollten diese Abschnitte eine Mahnung an Israel sein, den Aussagen dieses Buches zu folgen.
Nachdem wir uns in den ersten sieben Kapiteln mit den Opfern befasst haben, wenden wir uns nun dem Priestertum zu. Wenn der Sünder ein Opfer benötigt, bedarf es eines Priesters, durch dessen Vermittlung der Gläubige das tun kann, was ihm aufgetragen wurde. In Christus haben wir heute beides. Er hat sich selbst als vollkommenes Opfer dargebracht, um uns mit Gott in Verbindung zu bringen. Und nun übt er den Dienst des Hohenpriesters aus, durch den diese Beziehung aufrechterhalten wird.
In 2Mo 29 haben wir die Anweisungen gelesen, die Gott Mose gab, um Aaron und seine Söhne zum Priesterdienst zu weihen. Nun ist der Augenblick gekommen, in dem diese feierliche Handlung stattfinden soll. Die ganze Gemeinde versammelt sich um das Zelt der Zusammenkunft und sieht Aaron in seinem schönen und herrlichen Gewand (8,3 ff.).
In den Kapiteln 8–10 ist oft von „Webopfern“ die Rede. Wenn ein Gegenstand hin und her bewegt wird, kann er von allen Seiten gut betrachtet werden. So dürfen auch wir den Herrn Jesus Christus mit all seinen wunderbaren Facetten vor Gott bringen.
In Kapitel 9 bringen Aaron und seine Söhne das erste Opfer dar. Am Ende des Kapitels sehen wir die Konsequenzen, wenn die Frage der Sünde geklärt ist: Der Segen Gottes kann über das Volk kommen und seine Herrlichkeit kann offenbar werden.
3Mo 9,23–24: „Und Mose und Aaron gingen in die Stiftshütte hinein. Und als sie wieder herauskamen, segneten sie das Volk. Da erschien die Herrlichkeit des HERRN dem ganzen Volk, 24 und es ging Feuer aus von dem HERRN und verzehrte das Brandopfer und die Fettstücke auf dem Altar. Als das ganze Volk dies sah, jubelten sie und fielen auf ihr Angesicht.“
Im Gegensatz dazu sehen wir in Kapitel 10 die Folgen der Sünde. Denn jedes Mal, wenn Gott den Menschen in eine neue Beziehung stellt, beweist der Mensch seine Unfähigkeit, diese aufrechtzuerhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir immer wieder gelesen, dass alles so gemacht wurde, „wie der Herr es Mose geboten hatte“. Nun aber taten Nadab und Abihu etwas, „das [Gott] ihnen nicht geboten hatte“ (10,1).
3Mo 10,1: „Aber die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen jeder seine Räucherpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten fremdes Feuer dar vor den HERRN, das er ihnen nicht geboten hatte.“
Kaum zu Priestern geweiht, brachten sie fremdes Feuer, das nicht vom Altar genommen worden war, vor den Herrn. Das harte Gericht, das sie sofort traf, zeigt uns, wie schwerwiegend es ist, wenn wir nicht nach den Anweisungen des Wortes Gottes, sondern nach unserem eigenen Willen handeln.
3Mo 10,2: „Da ging Feuer aus von dem HERRN und verzehrte sie, sodass sie starben vor dem HERRN.“
Am Ende des Kapitels sehen wir jedoch, dass Gott den Unwissenden nachsichtig und gnädig ist (10,16–20). Das gilt auch für diejenigen, die sich unter seine Zucht beugen.
| Vorschriften zur Heiligung des Volkes (11–15) |
In den Kapiteln 11–15 spricht Gott erneut zu Mose und gibt ihm eine Reihe von Hygienevorschriften. Zunächst geht es um die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren. Für uns Christen ist nicht mehr entscheidend, was in den Mund hineingeht, sondern was herauskommt (Mk 7,15). Daher hat die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren für Christen nur noch eine geistliche Bedeutung. In Kapitel 11 werden vier Gruppen von Tieren unterschieden:
- Vierfüßige Tiere
- Merkmale: Wiederkäuen und gespaltene Klauen
- Anwendung: Die Reinheit des Gläubigen hängt davon ab, wovon er sich ernährt und wie er wandelt.
- Fische
- Merkmale: Flossen und Schuppen
- Anwendung: Ohne Flossen kann man sich nicht auf ein Ziel zubewegen und ohne Schuppen kann man sich nicht gegen Angriffe verteidigen.
- Vögel
- Merkmale: Weder Fleischfresser noch Allesfresser
- Anwendung: Wenn wir unserem Geist Nahrung geben, die aus dem Fleisch kommt, oder wenn wir wahllos alles essen, werden wir unweigerlich verunreinigt.
- Kriechende Tiere
- Sie sind ein Bild für die Macht des Bösen und dürfen alle nicht gegessen werden.
Die Kapitel 13 und 14 befassen sich ausführlich mit dem Thema „Aussatz“. Man könnte sich fragen, warum dieses Thema so ausgiebig behandelt wird. Wenn wir aber bedenken, dass Gott den Dingen, die ihm wichtig sind, besonders viel Raum in seinem Wort gibt, dann sollten wir uns mit diesen Kapiteln etwas genauer beschäftigen.
Aussatz war eine schlimme, um sich fressende, ansteckende und schrecklich anzusehende Krankheit, die nicht geheilt werden konnte. Aussatz ist in der Bibel ein Bild für Sünde und Unreinheit. In den Augen Gottes hat die Sünde genau diese Eigenschaften.
Auch Kleidungsstücke (unser äußeres Erscheinungsbild) und Häuser (unser Lebensumfeld) konnten von Aussatz befallen sein. Wenn eine gründliche Reinigung nicht ausreichte, musste das ganze Kleidungsstück verbrannt bzw. das ganze Haus abgerissen werden.