Titus-Brief (62–64 n. Chr.) |
Wie Timotheus fand auch Titus durch Paulus zum Herrn Jesus. Paulus übertrug Titus die schwierige Aufgabe, für gute Leitungsstrukturen in den Gemeinden auf Kreta zu sorgen. Um ihn zu ermutigen und die Aufgaben klar zu umreißen, schrieb Paulus diesen kurzen Brief.
In Kapitel 1 erklärt Paulus, warum er Titus auf Kreta zurückgelassen hat. Um für Ordnung zu sorgen und Älteste in den Gemeinden einzusetzen. In den folgenden fünf Versen finden wir den Anforderungskatalog an einen Gemeindeältesten, der im Großen und Ganzen dem entspricht, was wir bereits im 1. Timotheus-Brief (3,1–7) gelesen haben.
Kapitel 2: Hier gibt Paulus einige spezifische Anweisungen für alte Männer (ehrbar, besonnen), alte Frauen (heiliger Wandel), junge Frauen (keusch, häuslich) und junge Männer (besonnen). Titus selbst soll in allen Punkten ein Vorbild für die Gläubigen sein (7–8). Ab Vers 11 erfahren wir auch den Grund für diesen heiligen Wandel: Jesus Christus, der aus Gnade erschienen ist. Und diese Gnade will uns von der Gottlosigkeit zur Gottesfurcht verwandeln.
Tit 2,14: „[Jesus Christus] hat sich selbst für uns hingegeben, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.“
Vers 2,14 stellt uns einerseits das Evangelium vor Augen und bezeichnet uns andererseits als „Eigentumsvolk“. Diesen Titel hat Gott im Alten Testament dem Volk Israel gegeben. Die Kirche, bestehend aus Juden und Heiden, ist somit die Fortsetzung Israels.
In Kapitel 3 finden wir in den Versen 3–7 eine weitere Zusammenfassung des Evangeliums.
Tit 3,5: „Er hat uns – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit – errettet durch das Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung des Heiligen Geistes.“
Abschließend wendet sich Paulus an sektiererische Menschen, die Irrlehren in die Gemeinde tragen oder Spaltungen herbeiführen wollen. Sie sollen zunächst zurechtgewiesen und dann recht schnell abgewiesen werden, damit sie nicht für zu viel Verwirrung sorgen können.
Philemon-Brief (60–62 n. Chr.) |
Der Philemon-Brief wurde von Paulus zur gleichen Zeit wie der Kolosser-Brief aus dem Gefängnis geschrieben. Onesimus, ein Sklave aus Kolossä, war seinem Herrn Philemon entlaufen, nach Rom gekommen und dort Paulus begegnet, der ihn zum Glauben geführt hat. Nun will Paulus ihn zu seinem Herrn zurückschicken. Zu diesem Zweck schickte er Tychikus zusammen mit Onesimus nach Kolossä. Während Tychikus der Gemeinde in Kolossä den Kolosser-Brief überbrachte, trug Onesimus den Philemon-Brief bei sich, den er seinem Herrn Philemon übergab.
Paulus schrieb diesen Brief an seinen Freund Philemon, der gläubig war. Er bat Philemon, dem Sklaven zu vergeben und ihn ihm zurückzugeben. Obwohl die Sklaverei in der damaligen Welt anerkannt war, erinnert Paulus daran, dass wir einander als „Gleichwertige“ behandeln sollen.
Der Brief beginnt wie üblich mit einem Gruß und Dank. Ab Vers 8 wird der Brief sehr persönlich, wenn Paulus sich für den Sklaven Onesimus einsetzt. Der Name „Onesimus“ bedeutet „nützlich“. In einem Wortspiel geht Paulus in Vers 11 darauf ein. Er will die Beziehung zwischen Philemon und Onesimus auf eine ganz andere Ebene stellen. Deshalb soll Philemon seinen entflohenen Sklaven so aufnehmen, als ob er Paulus aufnehmen würde (Vers 12). Paulus will auch selbst für alle Schäden aufkommen, die Philemon entstanden sind (Verse 18–19). Gleichzeitig erwähnt Paulus aber auch, was Philemon ihm verdankt (Vers 19).
Im Philemon-Brief geht es nicht um eine bestimmte Lehre, sondern um das Einmaleins der Beziehungen. Der Brief motiviert jeden Christen, die biblische Lehre in die Praxis umzusetzen.
Der Judas-Brief wurde von Judas, dem Halbbruder Jesu, verfasst. Judas war zunächst wie sein Bruder Jakobus ungläubig (Joh 7,5), kam aber nach der Auferstehung zum Glauben an Jesus Christus (Apg 1,14).
In seinem Brief beschäftigt sich Judas mit der Abtrünnigkeit. Schon zu seiner Zeit wurde die Gemeinde von religiös getarnten Verrätern untergraben. Judas' Absicht ist es, diese Verräter zu entlarven. Ein Abtrünniger ist demnach jemand, der vorgibt, ein wahrer Gläubiger zu sein, obwohl er in Wirklichkeit nie wiedergeboren wurde. Er mag getauft worden sein und an allen Vorrechten der Ortsgemeinde teilgenommen haben. Nach einiger Zeit verlässt er jedoch den christlichen Glauben und verleugnet böswillig den Heiland. In Kapitel 1 verwendet Judas viele Vergleiche aus dem Alten Testament, um seine Botschaft zu verdeutlichen.
Jud 3b: „Kämpft für den Glauben, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert worden ist.“
Bereits in Vers 4 spricht er von den Gottlosen, die sich unbemerkt in die Gemeinde eingeschlichen haben. Gott will seine Gemeinde jedoch rein und heilig halten. Deshalb bringt Judas in Vers 5 das Beispiel der Erlösung Israels aus der Gefangenschaft in Ägypten. So wie die Gemeinde (griechisch "ekklesia", „die Herausgerufenen“) aus der Welt in die Gegenwart Gottes herausgerufen wurde, so wurde auch das Volk Israel aus der Gefangenschaft herausgerufen. Doch schon bald nach dem Auszug aus Ägypten begannen die Israeliten zu murren. Gott „vertilgte diejenigen, die nicht glaubten“ (Vers 5).
In Vers 6 erwähnt Judas bestimmte Engel, die „ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrten“. Dies bezieht sich auf 1. Mose 6,2, wo von Engeln die Rede ist, die sich mit Frauen einließen und mit ihnen Kinder zeugten. Im nächsten Vers spricht er die Städte Sodom und Gomorra an. Deren Bewohner sündigten so sehr, dass Gott die beiden Städte mit Feuer vom Himmel zerstörte (1Mo 19,24). In Vers 8 werden die bösen Engel, die Dämonen, beschrieben. Im Gegensatz zu diesen wird in Vers 9 der Erzengel Michael als positives Beispiel dargestellt.
In Vers 11 finden sich drei weitere Bilder aus dem Alten Testament. Zunächst wird Kain erwähnt, der seinen Bruder Abel erschlug (1Mo 4,8). Dann wird Bileam erwähnt, der das Volk Israel für Geld verfluchen wollte (4Mo 22,6). Schließlich wird die Rotte Korahs erwähnt, die sich gegen Mose und Aaron auflehnte (4. Mose 16). All diese Bilder dienen als Vergleiche für die Abtrünnigen in der Gemeinde. Gott wird sie gerecht richten.
Judas ermutigt die Gläubigen, am Glauben festzuhalten und den Heiligen Geist wirken zu lassen. Er fordert sie auf, die Sünder zu lieben, die Sünde jedoch zu hassen (Verse 22–23).