Fortsetzung der dritten Missionsreise (21–28) |
Rückkehr nach Jerusalem (21)
In Kapitel 20 hatte Paulus in Troas den jungen Mann Eutychus, der bei einer nächtlichen Bibelstunde aus dem Fenster des dritten Stocks gestürzt war, wieder zum Leben erweckt (Apg 20,6–12). Anschließend hatte er in Milet zu den Ältesten von Ephesus gesprochen und sie eindringlich vor den Anfeindungen des Satans gewarnt (Apg 20,17–38).
Nun erreichte er mit dem Schiff die Hafenstadt Tyrus, von wo aus er nach Jerusalem weiterreisen wollte. Kapitel 21 berichtet jedoch unerwartet von einer dreifachen Warnung an Paulus, seine Reise nicht fortzusetzen. Zunächst sagten ihm die Gläubigen in Tyrus „durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen“ (Apg 21,4). Kurz darauf kam der Prophet Agabus und sprach:
Apg 21,11: „(…) Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern!“
Aus Furcht baten ihn jetzt auch seine Begleiter, nicht nach Jerusalem zu gehen (Apg 21,12). Wie reagiert Paulus auf diese dreifache Warnung?
Apg 21,13: „(…) Ich bin bereit, mich in Jerusalem nicht nur binden zu lassen, sondern auch zu sterben für den Namen des Herrn Jesus!“
Gefangennahme (21–22)
Trotz dieser Warnungen reiste Paulus nach Jerusalem. Nach sieben Tagen wurde er im Tempel von den Juden gefangen genommen. Von diesem Zeitpunkt an war er bis zu seinem Lebensende kein freier Mann mehr. War seine Entscheidung falsch? Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Sie entsprach jedoch seiner Persönlichkeit, mit der er sich voll und ganz seinem Gott hingegeben hatte. Noch im Tempel wollten die Juden Paulus töten, doch der Befehlshaber der römischen Besatzung griff ein und entriss ihn der Menge.
Auf den Stufen der Kaserne nutzte Paulus die Gelegenheit, um sich vor dem jüdischen Volk zu verteidigen. Seine Rede ist in Kapitel 22 nachzulesen. Doch die Zuhörer ließen sich nicht beruhigen.
Apg 22,22: „(…) Hinweg mit einem solchen von der Erde! Denn es darf nicht sein, dass er am Leben bleibt!“
Kapitel 23 berichtet, wie der jüdische Hohe Rat zum römischen Befehlshaber kam. Da Paulus seine Verteidigung bereits am Vortag vorgetragen hat, will er sich hier nicht wiederholen. Deshalb verursacht er eine Spaltung des Hohen Rates, indem er das zentrale Thema des Evangeliums anspricht.
Apg 23,6: „(…) Wegen der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten werde ich gerichtet.“
Daraufhin entbrannte ein heftiger Streit im Hohen Rat, denn die eine Hälfte glaubte an die Auferstehung, die andere nicht. Noch in derselben Nacht wurde Paulus wegen eines geplanten Mordanschlags der Juden nach Cäsarea zum Statthalter Felix gebracht.
Paulus vor Felix, Festus und Agrippa (24–26)
Als kurz darauf auch seine Ankläger eintrafen, hielt Paulus eine weitere Verteidigungsrede (Apg 24,10–23). Felix wollte jedoch kein Urteil über Paulus fällen und behielt ihn in Haft. So vergingen zwei Jahre, bis Felix einen Nachfolger bekam, nämlich Porcius Festus. Es ist nicht auszudenken, was Paulus in dieser Zeit alles hätte tun können, wenn er frei gewesen wäre. Aber offenbar hielt Gott es für richtig, ihn für eine Weile auf ein Abstellgleis zu stellen. Gottes Wege sind eben nicht unsere Wege.
Kaum war Porcius Festus im Amt, kamen die Juden zu ihm, um Paulus anzuklagen (Kapitel 25). Und wieder musste sich Paulus verteidigen, diesmal vor Festus und den vornehmsten Juden. Festus wollte dem Wunsch der Juden nachkommen und Paulus nach Jerusalem schicken. Offenbar ahnte er nicht, dass die Juden einen Mordanschlag auf Paulus planten. Um dieser Falle zu entgehen, blieb Paulus nur eine Möglichkeit: Als römischer Bürger legte er beim Kaiser Berufung ein (Apg 25,10). Somit blieb Paulus vorerst in Cäsarea in Haft.
Einige Zeit später kommt König Agrippa nach Cäsarea, um Porcius Festus zu besuchen. Festus scheint von Paulus so fasziniert zu sein, dass er Agrippa direkt von ihm erzählt. Nun wollte auch König Agrippa ihn kennenlernen. So erhielt Paulus die Möglichkeit, auch vor ihm sein Zeugnis abzulegen (Apg 26,2–23). Agrippa ist sichtlich begeistert und sagt zu Paulus:
Apg 26,28: „Es fehlt nicht viel, und du überredest mich, dass ich ein Christ werde!“
Die Überfahrt nach Italien (27–28)
In Kapitel 27 wird von der Überfahrt des Apostels Paulus nach Italien berichtet. Die ersten Etappen dieser Reise verliefen planmäßig, doch kamen sie erst spät im Jahr an der Südküste Kretas an. Ab November waren wegen der gefährlichen Wetterverhältnisse im Mittelmeer kaum noch Schiffe unterwegs. Dennoch wollte der Kapitän nicht auf Kreta überwintern, sodass sie bei schwachem Südwind die Anker lichteten und mit 276 Menschen an Bord die Insel verließen.
Kurz darauf brach jedoch ein schwerer Sturm los, der das Schiff manövrierunfähig machte. Als alle Hoffnung verloren schien, trat Paulus vor die Mannschaft und berichtete von einer nächtlichen Begegnung mit einem Engel, der der gesamten Besatzung Rettung verkündet hatte (Apg 27,21–26).
Und tatsächlich: Am nächsten Tag kam das Ufer in Sicht. Obwohl das Schiff auf einer Sandbank zerschellte, „geschah es, dass alle ans Land gerettet wurden“ (Apg 27,44).
Kapitel 28: Kaum dass die Mannschaft auf der Insel angekommen ist, wird Paulus beim Holzsammeln von einer Otter gebissen.
Apg 28,4: „Als aber die Einwohner das Tier an seiner Hand hängen sahen, sprachen sie zueinander: Gewiss ist dieser Mensch ein Mörder; er hat sich zwar aus dem Meer gerettet, doch die Rache lässt nicht zu, dass er lebt!“
Die Leute warteten darauf, dass Paulus plötzlich tot umfallen würde. Als das aber nicht geschah, „änderten sie ihre Meinung und sagten, er sei ein Gott“ (Apg 28,6).
Paulus in Rom (28)
Drei Monate später reiste er mit dem Rest der Mannschaft weiter und kam schließlich in Rom an.
Apg 28,16: „(…) Paulus aber wurde gestattet, für sich zu bleiben mit dem Soldaten, der ihn bewachte.“
Schon nach drei Tagen suchte Paulus den Kontakt zu den römischen Juden und durfte zu seiner Freude feststellen, dass diese von all den Anschuldigungen gegen ihn nichts wussten. Endlich konnte Paulus wieder das Evangelium verkünden. Er war zwar ein Gefangener, hatte aber viele Freiheiten.
Apg 28,30–31: „Paulus aber blieb zwei Jahre in einer eigenen Mietwohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen; 31 und er verkündigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit aller Freimütigkeit und ungehindert.“